Day 103: Meine Sicht auf Social Media – Eine Woche ohne Handy im Urlaub

Ich sitze auf dem Klo und bin am Handy. Immer wenn ich auf Klo bin, bin ich am Handy. Ich bin süchtig nach meinem Handy. Meine Bildschirmzeit beträgt knapp fünf Stunden täglich. YouTube, Instagram, Snapchat, WhatsApp. Ich bin froh, dass ich TikTok so sehr verabscheue, dass ich es mir niemals runterladen würde. Mir reicht absolut, dass ich vor 80% der YouTube Videos eine Werbung bekomme. Würde ich es mir runterladen, würde mein TikTok Konsum bestimmt ähnlich ausarten, wie der von YouTube oder Instagram. Nicht, dass ich jetzt den ganzen Tag davor hänge, aber ich suche mir schon immer wieder Gelegenheiten, um an mein Handy zu gehen. Wenn ich beim arbeiten nicht weiterkomme, nutze ich es zum Prokrastinieren. Wenn ich im Zug oder Bus sitze, beim Kochen und eben auf Klo. Ich suche Gelegenheiten, um irgendein YouTube Video zu gucken, oder um auf Instagram rumzuscrollen. Sogar wenn ich die Möglichkeit habe Zeit mit Freunden oder meiner Familie zu verbringen, entscheide ich mich manchmal dazu noch kurz bisschen zu chillen und paar YouTube Videos zu gucken. Ich wollte mal schauen, wie sich mein Konsum und mein Verhältnis zu meinem Handy ändert, wenn ich es sieben Tage nicht benutze. Also habe ich mein Handy für sieben Tage weggelegt. Ich wollte ein Video darüber machen. Ich habe eine riesige Herausforderung erwartet und gedacht, ich würde mein Handy sehr stark vermissen. Doch die Herausforderung mein Handy für eine Woche wegzulegen war viel kleiner als erwartet. Ich hatte aber kaum ein Problem damit, dass mein Handy weg ist. Der Grund dafür sind die Umstände, unter denen ich auf mein Handy verzichte. Weder bin ich im Alltag, noch bin ich Zuhause. Ich bin auf Fehmarn und mache Urlaub mit meiner Familie. Hinzu kommt, dass meine Freundin (einer meiner wichtigsten sozialen Kontakte) auch hier ist. Die Herausforderung mein Handy sieben Tage wegzulegen, wäre wesentlich schwieriger, wenn ich das Experiment ganz normal im Alltag machen würde und meine Freundin bei sich Zuhause wäre. Aber auch wenn das Experiment nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe, habe ich dennoch viel gelernt. Ich habe mir viel Gedanken darüber gemacht, wie ich mit Social Media umgehe und mit welcher Intention ich die erwähnten Apps benutze. Vor einer Woche noch, war ich ständig auf YouTube und Instagram unterwegs. Ich habe solange nach etwas gesucht, das mich interessiert, bis ich etwas gefunden habe. Ich habe YouTube hauptsächlich genutzt, um zu prokrastinieren. Instagram zwar auch, aber was ich eigentlich gemacht habe, wenn ich auf Instagram unterwegs war, war es, mich mit anderen Menschen zu vergleichen und mich ab und zu in Stories oder Beiträgen selbst darzustellen. Wenn ich auf Instagram etwas gepostet habe, egal ob Story oder Beitrag, habe ich mir immer Gedanken darüber gemacht, wie ich von anderen Menschen wahrgenommen werde und wahrgenommen werden will. Mir geht es darum nach Außen auf eine bestimmte Art und Weise, die ich als cool und witzig ansehe, zu wirken. Ich habe darüber auch schon mal einen Blog geschrieben. Ich fühle mich schlecht, wenn ich weniger Likes bekomme, ich fühle mich schlecht, wenn ich nicht zu irgendeiner Challenge eingeladen werde, ich fühle mich schlecht, wenn ich weniger Abonnenten habe, ich fühle mich schlecht, wenn ich weniger oft in irgendwelchen Stories erwähnt werde. Obwohl mir das alles eigentlich gar nicht wichtig ist, ist es mir dann doch irgendwie total wichtig. Ich will die Challenge nicht machen, aber ich will trotzdem eingeladen werden und dazu gehören. Ich will einfach ein cooles Bild posten, aber ich überlege es zu archivieren, wenn es keine 100 Likes erhält. Ich will nicht in irgendwelchen Stories erwähnt werden, aber ich will auch nicht ausgelassen werden. Ich würde mich wahrscheinlich sowieso mit anderen Menschen vergleichen, aber auf und durch Instagram erreicht das Vergleichen ein komplett neues Level. So unnötige Dinge bekommen plötzlich eine total große Bedeutung. Und nicht nur vergleiche ich mich auf Instagram. Ich vergleiche mich auf allen möglich Plattformen mit anderen Menschen. Doch jetzt in der Woche in der ich abstinent war, habe ich gemerkt, dass ich dieses ganze Social Media Ding absolut nicht brauche und gerade, weil es mir Zeit gegeben hat zu reflektieren, warum ich Instagram, YouTube und andere Plattformen nutze und wie es sich auf mich auswirkt. Es macht mich nicht glücklicher und die Intention mit der ich Instagram und YouTube öffne ist meistens auch einfach nur, um mich von etwas, was ich eigentlich machen möchte abzulenken. Es hält mich einfach nur davon ab, die Dinge im Leben zu machen, auf die ich wirklich Lust habe. Irgendwelche Projekte, irgendwelche geilen Aktionen mit Freunden. Stattdessen sitze ich schon seit 20 Minuten auf dem Klo, gucke YouTube Videos und schreie zum zehnten Mal: ‚Bin gleich fertig‘, als meine Freundin an die Tür klopft. 

Gruß

Kuss

Kalt Duschen

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